"i.v. Infusionen in Heimen sind nichts" -
So beurteile vor kurzem ein Arzt des Kassenäzrtlichen Notdienstes.
Der Hintergrund:
Bewohner X wurde im KH die PEG entfernt, da diese zu lange lag. So hatte sich das Gewebe entzündet und die PEG war eingewachsen. Also weg mit der PEG, eine Neulage war zu dem Zeitpunkt nicht möglich.
Also wurde der Bewohner mit Abspreche des Hausarztes in unsere Obhut zurück überwiesen.
Der Bew. sollte laut Hausarzt tgl. je 1x 500 ml Ringerlösung und Glucose 5% i.v. erhalten und zusätzlich 1000ml NaCl 0,9% über s.c..
Nach dem die erste Braunüle vom Hausarzt einen Tag nach Entlassung neugelegt wurde, bemühten wir uns, diesen möglichst lange, ohne Entzündungsanzeichen offen zu halten,
In der einen Nacht ging dann halt gar nichts mehr durch die Braunüle.
Mittags kam der Hausarzt und legte einen neuen i.v. Zugang. Nach dem die 500ml Ringerlösung durch wahren und wir einen neue Infusion anhängen wollten, war der Zugang bereits wieder dicht.
Da es Mittwochnachmittag war, rief ich kurzer Hand den Kassenärztlichen Notdienst an.
Der Doktor wieß mich schon am Telefon zurecht, dass es ja wohl sinnlos wäre, jemanden i.v. mit Glucose ernähren zu wollen. Ich wieß ihn darauf hin, dass ich keine Ärztin wäre und wir nach Anweisung des Hausarztes handeln. Diesem war ja die i.v. Glucosezufuhr wichtig, vor allem, weil der Bewohner ja sonst noch relativ "agil" ist. Ich gab ihm auch die Info, dass der Bewohner Diabetiker ist und es ja nicht gut sei, wenn er gämzlich mit dem BZ abrauscht.
Der KäN meinte dann, dass er später noch mal rum kommen werde, wenn er im Ort ist und wir getrost die Infusion ziehen können.
Fast zwei Stunden später stand dann der KäN dann bei uns auf dem Wohnbereichsflur.
Ich schilderte noch mal die Sachlage, weswegen und warum er keine PEG mehr hatte. Das die i.v. Zugänge aus dem Krankenhaus kamen, der hausarzt diese bereits zwei mal gewechselt habe, wie der BZ war und so weiter.
Er meinte dann noch mal, dass es sinnlos wäre, einen Menschen nur mit Glucose ernähren zu wollen. Wir würden uns ja auch nicht nur vom Zucker ernähren wollen.
Sein Spruch, als er ging:" i.v. Zugänge und Infusionen in Heimen, davon halte ich sowieso nichts, dass ist nichts!"
Da brodelte es echt in mir. Zu dem Zeitpunkt war die Infusion aber wieder etwas freigelaufen und die Glucose Infusion tropfte ganz ganz langsam vor sich hin. Ein gespräch mit dem Hausarzt folgt noch!
Das es für die Bewohner wesentlich angenehmer ist, per i.v. Flüssigkeit zu erhalten, dass sieht der KäN leider nicht.
Ob nun als Nahrungsersatz oder rein als Flüssigkeitsersatz/-zusatz.
Ich rate jeden mal, der meint, eine s.c. Infusion wäre ja nicht schlimm, es an sich selbst mal auszuprobieren.
Allein das einführen des Butterfly unter die Haut ist schmerzvoller als das legen einer i.v. Braunüle und durch die stetige Flüssigkeitsabgabe ins Gewebe wechst der Druck und das kann schon sehr unangenehm sein,
Sicherlich, wenn das Herz und die Nieren beschädigt sind, ist eine s.c. Infusion ratsam, denn der Kreislauf holt sich die Flüssigkeit aus dem Gewebe, die er gerade braucht. Bei i.v. ist die Flüssigkeit direkt vor Ort, auch wenn die Infusion langsam läuft, ist eine Überbelastung evt. vorhanden.
Wie auch immer, ich habe ebenso wie meine Kollegin nach besten Wissen und Gewissen gehandelt.
Leider ist manchen Ärzten das einlesen von Karten wichtiger, als sich den Bewohner direkt anzusehen.
Mein Fazit:
Pflegeheim können nichts und sind zu doof für i.v. Infusionen .....
schade, schade!
In diesem Sinne,
herzliche Grüße,
die Blutgräfin